
Fachagrarwirt Sportplatzpflege – eine Chance für die Zukunft
Die Nachfrage nach gut geschulten Platzpflegern ist riesig, aber der Markt ist leer. Viele Kommunen, Vereine und Stadionbetreiber suchen händeringend – und finden niemanden. Wenn wir diese Entwicklung aufhalten wollen, gibt es nur einen Weg: Menschen fördern, die schon da sind.
von Henrike Kleyboldt Quelle Deula Bayern erschienen am 27.11.2025Wer einmal frühmorgens über einen taufeuchten Sportplatz geht, das Surren der Maschinen hört und das satte Grün sieht, weiß: Sportplatzpflege ist kein Job, den man „einfach so“ macht. Es ist ein Beruf mit Herz, mit Technik, mit Verantwortung. Und wer ihn richtig machen will, braucht Wissen – nicht nur Routine. Doch genau da liegt das Problem. Fachkräfte fehlen überall.
Die Frage taucht immer wieder auf: Warum gibt es eigentlich keine Ausbildung zum Greenkeeper oder Sportplatzpfleger? Die Fachverbände haben das längst geprüft – gründlich, intensiv, mit allen Argumenten. Die Arbeitsgemeinschaft Greenkeeper Qualifikation (AGQ), in der der Greenkeeper Verband Deutschland (GVD), der Deutsche Golf Verband (DGV) und der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) vertreten sind, kam zu einem klaren Ergebnis: Es wird keinen Ausbildungsberuf geben. Die Branche ist zu klein, die Zahl potenzieller Auszubildender zu gering, das System zu komplex (mit Berufsschule, Prüfungsordnung et cetera).
Fortbildungsberuf auf Meister-Niveau
Und ehrlich gesagt: Es ist auch nicht nötig. Denn mit dem staatlich anerkannten Fortbildungsabschluss Fachagrarwirt Sportplatzpflege haben wir längst etwas, das viel besser passt. Dieser Abschluss ist im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf Stufe 6 eingestuft – also Meister-Niveau. Teilnehmer können Meister-BAföG beantragen:
- Mit dem KfW-Darlehen beträgt der Zuschuss 75 % der Lehrgangskosten – bei Bestehen der Abschlussprüfung.
- In Bayern kommt noch der Meisterbonus in Höhe von derzeit 3.000 € hinzu – damit sind die Lehrgangskosten vollständig gedeckt.
Kurz gesagt: Durch Meister-BAföG und Meisterbonus sind 100 % der Lehrgangskosten gedeckt. Zu zahlen bleiben – möglichst durch den Arbeitgeber – die Übernachtungen, Verpflegung, Fahrtkosten und die Freistellung für insgesamt zwölf Unterrichtswochen. Doch warum sollte ein Arbeitgeber diesen Aufwand eingehen?
Allein Verkehrssicherungspflicht bedeutet Verantwortung
Jede Kommune, jeder Verein und jeder Betreiber trägt Verantwortung für seine Anlage. Es geht nicht nur darum, dass der Platz schön aussieht. Es geht darum, dass niemand zu Schaden kommt. Das nennt sich Verkehrssicherungspflicht. Sie umfasst Spielflächen, Tore, Wege, Zäune, Flutlichtanlagen, Zuschauerbereiche – kurz: alles, was zu einer Sportanlage gehört. Der DFB nimmt diese Pflicht sehr ernst. In seinem Leitfaden zum Sportplatzbau empfiehlt er regelmäßige Funktions- und Sachkundigenprüfungen, jährliche Sicherheitsüberprüfungen, die Einhaltung von Sicherheitszonen und die Sicherung von Toren und Anlagen.
Die Wahrheit ist: Viele bemühen sich, aber längst nicht überall läuft das konsequent. Und genau da wird es kritisch. Denn am Ende trägt der Betreiber die Verantwortung – und im Ernstfall auch die Haftung. Darum ist in der Fortbildung Fachagrarwirt Sportplatzpflege die Qualifizierung zum Sportplatzprüfer fester Bestandteil. In Kooperation mit der Hochschule Osnabrück bilden wir geprüfte Fachkräfte aus, die wissen, worauf es ankommt – rechtlich, technisch und praktisch. So schließt sich eine Lücke: zwischen dem guten Willen vieler Betreiber und der tatsächlichen Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen.
1Fachwissen zahlt sich aus
Die Inhalte der Fortbildung sind breit gefächert: Bodenkunde, Rasengräser, Düngung, Pflanzenschutz, Maschinenkunde, Arbeitssicherheit, Platzbewertung, Regeneration, Organisation, Betriebsführung. Es ist ein Jahr voller Input, Praxis, Austausch. Kein Spaziergang – das wissen alle, die diesen Weg gehen. Aber das ist es wert. Denn wer sich darauf einlässt, merkt schnell: Das eigene Verständnis für den Platz verändert sich. Man sieht mehr, erkennt Zusammenhänge, versteht, warum Pflegeentscheidungen langfristige Folgen haben. Und man legt die Basis für ein großes Netzwerk an Fachleuten und Kollegen, das für den späteren Job sehr wertvoll sein kann.
Viele Arbeitgeber zögern – warum?
Viele Fortbildungen scheitern nicht am Willen der Mitarbeiter, sondern an der Entscheidung der Arbeitgeber. Die typischen Argumente: „Das kostet nur Geld.“ „Wenn die Mitarbeiter fertig sind, wollen sie mehr Gehalt.“ „Wir können sie nicht ein Jahr lang entbehren.“ Alles nachvollziehbar – aber kurz gedacht. Denn die Investitionen in Sportanlagen sind zu hoch, um sie anschließend nicht fachgerecht pflegen zu lassen.
Fachagrarwirte sind in der Lage, selbstständig zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen und vorhandene Mittel gezielt und effizient einzusetzen. Sie brauchen keine ständige Anleitung, sie arbeiten planvoll, vorausschauend und wissen, was sie tun. Das spart Zeit, Ressourcen und am Ende auch Geld, weil die Investitionen in die Sportanlagen auch über viele Jahre erhalten werden.
Und: Arbeitgeber profitieren ebenfalls vom Netzwerk, das während der Fortbildung entsteht. Die Teilnehmer tauschen sich deutschlandweit mit Fachkollegen, Verbänden und Experten aus. Dieses Wissen fließt zurück – direkt in die eigene Organisation. Eine gute Fortbildung bringt also nicht nur Kompetenz, sondern auch neue Impulse und Ideen in den Betrieb.
Fehlende Anerkennung verheerend
Viele Kommunen tun sich schwer damit, diese Qualifikation anzuerkennen. In Stellenausschreibungen werden ungelernte Mitarbeiter für die Sportplatzpflege gesucht. Der staatlich anerkannte Fachagrarwirt Sportplatzpflege dagegen? Meist Fehlanzeige. In Gesprächen mit Verwaltungen hört man dann Sätze wie: „Das ist tarifrechtlich nicht vorgesehen“ oder „Wir sehen dafür keine Eingruppierung“. Mit anderen Worten: Man drückt sich vor einer klaren Entscheidung – und bremst damit die Fortbildung von Mitarbeitern aus.
Die Realität dahinter: Die Kommunen weigern sich einheitlich, den vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium getragenen Fortbildungslehrgang Fachagrarwirt Sportplatzpflege anzuerkennen. Das Landwirtschaftsministerium ist darüber alles andere als glücklich, denn die Fortbildung ist staatlich geprüft, rechtssicher und auf Meister-Niveau eingestuft. Trotzdem bleibt sie in der Praxis ohne Wirkung auf die Karrierewege im öffentlichen Dienst. Das Problem liegt im System: Kommunen haben ein Einordnungssystem, das Sportplatzpflege traditionell als Tätigkeit für ungelernte Mitarbeiter sieht.
Ein Mitarbeiter im öffentlichen Dienst kann nur befördert werden, wenn er eine Prüfung ablegt. Hier ist der DEULA-Lehrgang Fußballplatzwart in Kooperation mit dem DFB anerkannt. Viele Kommunen senden ihre Mitarbeiter zu diesem dreiwöchigen Lehrgang, weil sie danach wesentlich mehr Wissen haben, befördert werden können, höher klassifiziert werden und mehr Gehalt bekommen. Und damit in den Kommunen gehalten werden. Das klingt zunächst positiv – aber danach ist Schluss. Der Weg endet hier!
Kommunen verlieren Know-how
Die einjährige Fortbildung mit 12 Unterrichtswochen zum Fachagrarwirt, die Meister-Niveau hat und ein umfassendes Fachwissen vermittelt, wird einfach nicht anerkannt. Keine höhere Eingruppierung, keine Perspektive, kein Anreiz für Arbeitgeber, ihre Mitarbeiter dorthin zu schicken. Das ist ein großes Problem in Deutschland – und es verhindert, dass hochqualifizierte Fachkräfte im öffentlichen Dienst bleiben. Die Folgen sind gravierend:
- Hochqualifizierte Fachagrarwirte verlassen den öffentlichen Dienst, weil ihre Qualifikation nicht honoriert wird.
- Kommunen verlieren Know-how, das sie dringend brauchen, um ihre Sportanlagen sicher und nachhaltig zu betreiben.
- Die Investition in öffentliche Infrastruktur wird gefährdet, weil die Pflege nicht auf dem Niveau erfolgt, das moderne Plätze erfordern.
Kurz gesagt: Die Weigerung, den Fachagrarwirt Sportplatzpflege anzuerkennen, ist kein kleines Detail – sie ist ein strukturelles Problem. Sie verhindert Karrierewege, demotiviert Mitarbeiter und sorgt dafür, dass die öffentliche Hand im Wettbewerb um Fachkräfte weiter zurückfällt. Dieses Thema betrifft ganz Deutschland. Solange die tarifrechtliche Anerkennung fehlt, bleibt die Fortbildung für viele Kommunen ein „nice to have“ – statt das zentrale Instrument, das sie sein könnte, um Qualität und Sicherheit auf Sportanlagen zu sichern.
Keine Bereitschaft zu Statement
An dieser Stelle wollten wir ein paar Stimmen aus der Praxis zitieren – die wenigen Fachagrarwirte, die aufgrund eines äußerst motivierten Vorgesetzten oder Bürgermeisters in den Kommunen arbeiten, sollten zu Wort kommen. Sie sollten berichten von Erfolgen, aber auch von der Nichtanerkennung der Fortbildung. Die Realität ist: Es ist nur eine Handvoll Fachagrarwirte Sportplatzpflege bei den Kommunen beschäftigt, und von diesen haben jetzt die meisten den öffentlichen Dienst verlassen, weil ihre Fortbildung nicht anerkannt und nicht entsprechend entlohnt wurde. Die einzelnen, die loyal bei ihren Kommunen bleiben, möchten sich aus Sorge um ihre Position nicht öffentlich äußern. Das tut weh.
Denn diese Menschen sind hochqualifiziert. Sie haben ihr Wissen in die öffentliche Infrastruktur investiert – und erleben, dass es nicht den Wert bekommt, den es verdient. Die Zeiten werden nicht leichter. Gerade deshalb sollten wir jetzt dafür sorgen, dass dieses Wissen nicht verloren geht.
2Fazit
Die Fortbildung zum Fachagrarwirt Sportplatzpflege ist keine Zwischenlösung, sie ist die Zukunft. Sie ist praxisnah, rechtssicher, staatlich anerkannt – und sie macht aus Mitarbeitenden echte Profis. Es ist zu wünschen, dass Kommunen und Vereine diesen Wert erkennen und dass sie verstehen: Das ist kein Kostenfaktor, das ist eine Investition – in die Qualität, in die Sicherheit, in die Menschen, die tagtäglich auf dem Platz stehen.
Mit Meister-BAföG, KfW-Zuschuss und Meisterbonus ist der Weg finanziell machbar – und am Ende stehen ein sehr positives Kosten-Nutzen-Verhältnis, mehr Spielqualität und eine deutlich höhere Sicherheit für Nutzer und Betreiber. Eine Fortbildung, die nicht nur Wissen vermittelt – sondern Haltung. Und die zeigt, was wahre Verantwortung bedeutet.
Henrike Kleyboldt, DEULA Bayern – Fachbereich Greenkeeping
















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