
Mähroboter ersetzen nicht den Menschen
Etwa 230 Interessierte aus Kommunen, Sportvereinen und dem Golfplatzsektor sowie 29 Aussteller kamen zum 17. Rasentag des Württembergischen Landessportbunds (WLSB). Die Referenten sorgten für viel nützlichen Input. Ein Highlight war die Exkursion zu VfB-Trainingsplätzen.
von Claudia von Freyberg erschienen am 09.03.2026Das „SpOrt Stuttgart“, Sitz des WLSB unweit des Bundesligastadions und des VfB-Clubhauses, bot einen hellen und großzügigen Rahmen für die Veranstaltung samt Vorträgen und Ausstellung. WLSB-Hauptgeschäftsführer Markus Graßmann nahm in seiner Begrüßung Bezug zur diesjährigen Fußball-WM in Amerika, wo bezüglich des Rasens ganz andere Bedingungen herrschen als bei uns. Mitveranstalter des Rasentags sind auch die Landesverbände GaLaBau (vertreten durch Vorstandsmitglied Christoph Walker) und des Bunds deutcher Landschaftsarchitekt:innen.
2Der erste Referent Dr. Paul Baader, Chef eines Umweltplanungsbüros in Mannheim, ehrenamtlicher Berater des DFB und Mitglied des DIN-Normenausschusses, stellte Ziele und Inhalte der Überarbeitung der DIN 18035 – Teil 4 Sportplätze und Rasenflächen vor. Diese ist frühenstens Ende dieses Jahres abgeschlossen. Erhöhte Anforderungen an Sportplätze, veränderte Klimabedingungen und das Knüpfen von öffentlichen Förderungen an DIN-Bauweisen machen die Überarbeitung notwendig.

Aufgenommen werden beispielsweise das „Bauteil“ Baugrundverbesserungen sowie ein Kapitel zu Bauweisen – mit Beschreibungen, Vor- und Nachteilen sowie Einsatzmöglichkeiten. Ein Ziel dabei ist die Erhöhung der Wasser- und Nährstoffspeicherkapazität in der Rasentragschicht, was erfahrungsgemäß für niederklassige Vereine wichtig ist, die den erhöhten Wasser- und Düngebedarf bei bisherigen DIN-Bauweisen mit starker Dränung nicht stemmen können.
Mähroboter oder klassischer Mäher?
Dr. Jörg Morhard von der Universität Hohenheim in Stuttgart befasste sich mit dem Einsatz von Mährobotern auf Rasenspielfeldern. Dabei ging es um Rasenfilzdicke, Scherwiderstand, den Vegetationsindex NDVI (“Grünanteil“ in der Vegetation), die Zusammensetzung der Grasnarbe und die Nährstoffgehalte in der Rasentragschicht. Dafür wurden im Feldversuch Mähroboter und Aufsitzrasenmäher verglichen. Ergebnisse:
- Filz: starker jahreszeitlicher Verlauf, bei starkem Bodenleben geht der Filz ohne Einwirkung zurück, Filz ist beim Mähroboter immer stärker als beim Mäher – bei starker Belastung gleicht sich das an
- Scherfestigkeit: bei Mähroboter geringer, aber ausreichend
- Rasenqualität: bei Mähroboter Zunahme von Poa pratensis, P. supina und Lolium perenne (gut), aber auch von unerwünschten Arten
- Boden: mehr organische Masse beim Mäher, vermutlich, weil im Versuch Schnittgut nicht vollkommen aufgenommen wurde (längere Halme)
- Ammonium-N und Nitrat-N bei Mähroboter höher.
Matthias Renz wurde als das Urgestein des deutschen Sportstättenbaus vorgestellt, was dieser mit Blick auf das Alter von Gesteinen augenzwinkernd zurückwies. Der Geschäftsführer Sportstättenbau bei Garten Moser, Reutlingen, ist Fachberater und Mitglied im deutschen Normenausschuss. Er ordnete die wissenschaftlichen Ergebnisse seines Vorredners aus der praktischen, auch pflegerischen Sicht ein. Dabei stellte er den Faktor Mensch bei allen bisher angewandten Mähtechniken heraus.
Mähroboter einfach laufen zu lassen, reiche eben nicht. Wie bei jedem anderen Mäher seien hier regelmäßig die Messer zu schärfen oder zu tauschen, denn gerupfte Grasblätter bieten Eintrittspforten für Krankheiten. Tägliches Mähen sei super für den Rasen, aber die Regenwurmtätigkeit nehme rapide zu. Dazu könne auch Laub beitragen, das mitgehäckselt wird und liegenbleibt. „In der Gewährleistungsphase lehne ich Mähroboter strikt ab“, betonte der Fachmann. Ideal wäre ein Mähroboter mit Schnittgutaufnahme.
„Ich bin einerseits Gegner, andererseits Befürworter des Mähroboters“, gestand Renz. „Beim klassischen Mäher muss man häufiger mähen, beim Mähroboter öfter striegeln und besanden – er allein kann nicht alles.“ Dr. Jörg Morhard wies darauf hin, dass seine Ergebnisse Momentaufnahmen und weitere Forschungen nötig seien.
„Reingucken in den Rasen!“
Dr. Harald Nonn ist Vorsitzender der deutschen Rasengesellschaft, Mitglied in der Expertenkommission Rasen der DFL, der Kommission Sportinfrastruktur des DFB, in DIN- und FLL-Fachgremien. Seine humorvolle erfrischende Art, auch „trockene“ Themen zu vermitteln, ließen ihn gerade nach der Mittagspause zum idealen Referenten werden. Bei ihm ging es um Bodenverdichtungen, „das größte Übel auf Fußballplätzen“. Eindrucksvolle Bilder von überschwemmten Flächen machten die Erläuterung der Gründe dafür verständlicher. „Ein bisschen Bodenverdichtung ist erwünscht, denn sie dient der Tragfähigkeit.“ Negativ sei die Bodenschadverdichtung, bei der der Wurzelraum und die Pflanzenverfügbarkeit von Wasser und Nährstoffen reduziert wird. „Ohne Sauerstoff keine Mikroorganismen, die den Filz abbauen.“
Ursachen von Schadverdichtungen seien Überlastung und Pflegefehler. „Es wird zu wenig mit dem Spaten gearbeitet – mein Lieblingsarbeitsgerät. Reingucken in den Rasen!“, mahnte Nonn. „Es wird immer nur über den Rasen gelaufen und philosophiert, aber nicht in die Tiefe geschaut.“
Was man gegen Verdichtung tun könne: Belastung verringern, Bereifung der Arbeitsmaschinen optimieren, hoher Sandanteil in der Tragschicht (führt zu geringerer Lagerungsdichte), Lockern/Lüften. Bei Aerifizierern seien Hohlzinken besser als Vollzinken. Die Stopfen müssen mit der Kehrmaschine entfernt werden. Sand verlängere den Aerifiziereffekt. Schlitzen sei effektiv und wurzelfördernd, da gebe es auch keine Nutzungseinschränkungen. Striegeln sollte man laut Nonn nur in der Vegetationszeit, etwa einmal im Monat. „Hinterher sollte das Grün überwiegen.“
Hybridrasen hat seine eigenen Regeln
Bei der anschließenden Spielfeldbegehung der neuen Trainingsplätze des VfB Stuttgart erläuterte Headgreenkeeper Fabian Riesterer gemeinsam mit Matthias Renz Aufbauten und Jahrespflegemaßnahmen bei den hier vorhandenen Hybridrasen. Beide beantworteten viele Fragen, die Teilnehmer bekamen auch einen Einblick in die Maßnahmen auf den Plätzen des VfB insgesamt – schon eine andere Liga …
2027 findet der Rasentag am 25. Februar statt – ein Pflichtttermin für alle, die sich mit anspruchsvollem Rasen beschäftigen.





















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