
Schwarznuss (Juglans nigra)
Was können unsere Stadtbäume der Zukunft sein? In der Serie „Steckbrief Klimabaum“ stellt Dr. Philipp Schönfeld Baumarten vor, die im Rahmen des Projektes Stadtgrün 2021 auf ihre Tauglichkeit untersucht wurden. Dieses Mal ist es die Schwarznuss, eine Verwandte der Walnuss. Sie hat aufgrund ihrer Eigenschaften viel Potenzial für unsere Siedlungsräume.
von Dr. Philipp Schönfeld erschienen am 09.04.2026Verbreitung: Die Schwarznuss ist weit verbreitet in den USA, nördliche Grenze von Massachusetts bis Minnesota, westlich bis Kansas, südliche Grenze von Texas bis Florida; wächst sowohl in fruchtbaren Niederungen an Flussufern als auch auf trockeneren Hügeln oder Hängen.
Lebensbereichkennziffer: 3.3.2.1 Artenreiche Wälder und Gehölzgruppen. 3. Gehölze bestandsbildend in artenreichen Mischwäldern, an Waldrändern und als Sträucher auch im Unterholz auf gut versorgten, kräftigen, nährstoffreichen Böden, meist schwach sauer bis alkalisch, mit ausreichender Luft- und Bodenfeuchtigkeit und ausgeglichenen Temperaturen.
–.3. Gehölzgruppen mit anspruchsvollen, aber anpassungsfähigen Arten; auf frischen bis feuchten Standorten; schwach sauer bis alkalisch; gute bis beste, meist lehmige Böden.
–.–.2. sonnig bis lichtschattig, wärmeliebend; meist frosthart, gelegentlich spätfrostgefährdet
-.-.-.1. Großbaum > 20 m
Winterhärtezone 5b.
Wuchs: 20 bis 30 m, in der Heimat bis 50 m hoher Baum, Breite 15 bis 20 m, größte Juglans-Art, Krone hochgewölbt, unregelmäßig, breit abgerundet bis ausladend, Borke tief gerippt und gefurcht, grau bis bräunlich, Triebe flaumig behaart, Tiefwurzler
1Blätter: 20 bis 60 cm lang, Blättchen 13 bis 23, Endblättchen oft fehlend, länglich-eiförmig bis eiförmig-lanzettlich, 6 bis 15 cm lang, zugespitzt, Basis abgerundet, unregelmäßig gesägt, oberseits kahl und leicht glänzend, unterseits flaumig behaart, Herbstfärbung gelb
Blüten: unauffällig, männliche Kätzchen 5 bis 12 cm lang, Staubblätter 17 bis 50 cm, weibliche Blüten zu 2 bis 5
2Früchte: abgeflacht kugelig oder leicht birnenförmig, 4 bis 5 cm dick, Schale sehr dick, rau, oft warzig, beim Abfallen vom Baum geschlossen bleibend und zuletzt schwarz, Nuss 2,5 bis 3,5 cm dick, dickschalig, rau, grob und unregelmäßig gefurcht, essbar. Der Kern ist umgeben von einer extrem harten Schale, durch den Einsatz von Spezialknackern lässt sich die harte Schale der Früchte öffnen. Die Nüsse besitzen ein intensives, nussiges Aroma und sind reich an fetten Ölen. In den USA werden sie in der Konditorei und für die Speiseeisherstellung genutzt.
Hinweise zur Verwendung: In der Studie „Klimawandel und Baumartenwahl“ (2008) ist die Schwarznuss nicht verzeichnet. Im Projekt „Stadtgrün 2021+“ der LWG Veitshöchheim hat sie sich besonders am kalten Standort Hof/Münchberg und am regenreichen Standort in Kempten bewährt.
Die Schwarznuss ist am richtigen Standort ein großer und eindrucksvoller Baum mit einer wuchtigen Krone, der einen vollsonnigen Standort verlangt. Insbesondere in großen Parks, Alleen oder essbaren Waldgärten kommt er einzeln oder in kleinen Gruppen gut zur Geltung. Als Straßenbaum benötigt er große Baumgruben oder durchgehende Baumstreifen und offene Baumscheiben. Er spendet einen doppelten Nutzen – sowohl als Schattenbaum als auch als Fruchtgehölz.
Wenn es nicht auf höchste Zuwachsleistungen ankommt, entwickelt er sich auch an suboptimalen Standorten gut. Er ist, wie am Heimatstandort auch, anpassungsfähig. Vorübergehende Bodentrockenheit und Hitzeperioden werden ebenso toleriert wie wechselnde Niederschläge und selbst zeitweise Überschwemmungen. Mit dieser Anpassungsfähigkeit ist er potenziell geeignet für Schwammstadtsysteme. Die Schwarznuss kann ein Alter von bis zu 250 Jahren erreichen.
Trotz dieser Summe an guten Eigenschaften wird diese Art bisher nur wenig gepflanzt und verdient in Zukunft mehr Beachtung. Dr. Philipp Schönfeld
Junge Bäume sind wind- und spätfrostempfindlich. Entsprechend seiner Verzweigung besitzen junge Bäume aus der Baumschule in den üblichen Stammumfängen von 14 bis ca. 25 cm Stammumfang nur wenige dicke Kronenäste. Der anfangs durchgehende Leittrieb bleibt in höherem Alter zurück und die Seitenäste entwickeln sich stärker. Sehr malerisch wirken auch mehrstämmige Exemplare.
Für die Verwendung im Park und Garten gibt nur diese eine Sorte ‘Laciniata’, die eine geringere Wuchshöhe aufweist als die Art.
Juglans nigra ‘Laciniata’ wird 10 bis 15 m hoch und 8 bis 10 m breit. Sie wächst locker, wirft weniger Schatten und hat einen geringeren Platzbedarf als die Art. Es ist eine seltene, dekorative, elegante Sorte der Schwarznuss mit tief eingeschnittenen, farnartigen Blättern und goldgelber Herbstfärbung. Die Nüsse sind wie die der Art.
In den USA existieren darüber hinaus zahlreiche Fruchtsorten, zum Beispiel ‘Thomas’, ‘Kwik-Krop’, ’Sparrow’, ‘Emma K’, ‘Deming Purple’ and ‘Black Gem’. Diese Sorten werden veredelt für einen früh einsetzenden Ertrag. Auslesekriterien sind unter anderem die Fruchtgröße und -qualität, regelmäßiger Ertrag und eine dünnere Schale, die sich leichter knacken lässt.
Die Schwarznuss bewährt sich nicht nur als Parkbaum, sondern auch im Forst. Bereits um das Jahr 1900 gab es erste forstliche Versuchsanbauten in den Rhein- und Donauauewäldern. Dort stehen heute beeindruckende Schwarznussbestände mit hervorragenden Qualitäten. Die Schwarznussbestände in den Rheinauen weisen eine der Esche und Roteiche vergleichbare Höhenentwicklung auf.
Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Bayern empfiehlt die Schwarznuss als „anbauwürdig und empfehlenswert“, deren Anbau auch förderfähig ist. Auf besten Standorten können die Bäume bereits nach 40 bis 60 Jahren geerntet werden. Am Holzmarkt werden für gute Stämme sehr hohe Preise bezahlt. Das schöne Holz weist eine sehr dekorative Maserung auf, ist schwer, hart, aber dennoch leicht zu bearbeiten und gut zu polieren. Es wird im Möbelbau und Innenausbau sowie im Schiffsbau und als Furnier verwendet.
Literatur
EISELT, M. G. UND SCHRÖDER, R. (1977): Laubgehölze. 1. Auflage, Verlag J. Neumann-Neudamm
ROLOFF, A., BONN, S. UND GILLNER, S. (2008): Klimawandel und Baumartenwahl in der Stadt –Entscheidungsfindung mit der Klima-Arten-Matrix (KLAM)
ROLOFF, A., BÄRTELS, A. (2018): Flora der Gehölze. 5. aktualisierte Auflage, Verlag Eugen Ulmer
SCHÖNFELD, P., BÖLL, S. UND KÖRBER, K. (2014): Forschungsprojekt Stadtgrün 2021. Neue Bäume braucht das Land. Merkblatt Falzflyer 4. Auflage 2023, 4 S.
WARDA, H.-D. (2002): Das große Buch der Garten- und Landschaftsgehölze. 2. Auflage, BRUNS Pflanzen (Hrsg.)
Homepage: www.ebben.nl
















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