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Steckbrief Klimabaum

Europäische Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia)

Was können unsere Stadtbäume der Zukunft sein? In der Serie „Steckbrief Klimabaum“ stellt Dr. Philipp Schönfeld Baumarten vor, die im Rahmen des Projektes Stadtgrün 2021 auf ihre Tauglichkeit untersucht wurden. Dieses Mal ist es die Hopfenbuche.

von Dr. Philipp Schönfeld erschienen am 19.01.2026
Ostrya carpinifolia im Projekt „Stadtgrün 2021+“, Standort Würzburg © Dr. Philipp Schönfeld
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Deutscher Name: Hopfenbuche, Europäische Hopfenbuche

Botanischer Name: Ostrya carpinifolia

Verbreitung: mediterrane Gehölzart, von Süd-Frankreich über Nord-Italien bis zum Kaukasus, Türkei, Kaukasien, Syrien, wächst in lichten Wäldern und sonnigen Berghängen

Lebensbereichkennziffer: 6.3.3.3 Steppengehölze und Trockenwälder

Hauptgruppe Lebensbereich: Gehölze wärmster Tieflandbereiche (Weinbauklima) oder südlicher Herkünfte, meist hitzeverträglich, wärmebedürftig und frostgefährdet; durchlässige, nicht zu feuchte und zu nährstoffreiche Substrate bevorzugend; schwere, feuchte und sehr nährstoffreiche Böden provozieren Frostschäden; bevorzugt auf alkalischen bis stark alkalischen Böden wachsend

Untergruppe Bodenfaktoren: locker aufgebaute Gehölzgruppen; mäßig trocken bis frisch, gelegentlich feucht, Luft- und Bodentrockenheit vertragend, ± nährstoffreich, schwach sauer bis alkalisch; sandig-lehmig bis lehmig

Untergruppe Klimafaktoren: sonnig bis lichtschattig, hitzeverträglich und wärmeliebend; frosthart

Wuchs: 10 bis 15 (bis 20) m hoch, 10 bis 12 m breit, meist kurzstämmiger Baum, Krone anfangs kegel- bis eiförmig, zuletzt aufgelockert abgerundet

Blätter: eiförmig bis elliptisch, 4 bis 10 cm lang, zugespitzt, Basis meist abgerundet, scharf und doppelt gesägt, Nervenpaare 12 bis 15, oberseits dunkelgrün und spärlich behaart, unterseits blassgrün und auf den Nerven spärlich behaart, Herbstfärbung hellgelb

Laub im Detail
Laub im Detail © Dr. Philipp Schönfeld

Blüten: männliche Kätzchen, gelbgrün, bis 7,5 cm lang, April bis Mai

Detail Blüten
Detail Blüten © Dr. Philipp Schönfeld

Früchte: Fruchtstände 3,5 bis 5 cm lang, Nuss eiförmig, 4 bis 5 mm lang, an der Spitze mit einem Haarbüschel

Hinweise zur Verwendung: In der KlimaArtenMatrix von (ROLOFF 2021) wird die Hopfenbuche in der Kategorie Trockentoleranz und Winterhärte als „sehr geeignet“ eingestuft (1.1). In der GALK Straßenbaumliste ist die Hopfenbuche seit 2005 im Straßenbaumtest II und wird gegenwärtig als „geeignet“ eingestuft. Die Hopfenbuche ist wärmeliebend, hitze- und trockenheitsverträglich und hat sich bei dem Projekt „Stadtgrün 2021“ der LWG Veitshöchheim am Hitzestandort Würzburg am besten entwickelt. Beim Anwachsen braucht sie gelegentlich etwas Anlaufzeit. Weder starke Fruktifikation noch Hitze führen zu Wachstumseinbußen.

Sie ist ein mittelgroßer Baum für Einzelstellung oder Gruppen in Gärten und Parkanlagen sowie Straßenbaum für heiße und sonnige innerstädtische Sonderstandorte, der auch auf armen Standorten noch wächst. Bevorzugt werden kalkhaltige Böden. In ihrer Erscheinung (Kronenform und Blätter) gleicht sie der Hainbuche. Sie eignet sich daher gut als Alternative für die Standorte, an denen die Hainbuche auf Grund von Trockenheit und Hitze nicht mehr wächst. Die Hopfenbuche „glänzt“ aber weder durch eine besonders auffällige Blüte noch Herbstfärbung. Am passenden Standort kann sie ein Alter von bis zu 100 Jahren erreichen.

Die Europäische Hopfenbuche ist ein typischer Vertreter der submediterranen Laubmisch-, Karst- und Buschwälder. Hier ist sie vergesellschaftet mit Flaumeiche (Quercus pubescens), Manna-Esche (Fraxinus ornus), Feld-Ahorn (Acer campestre), Französischem Ahorn (Acer monspessulanum), Steinweichsel (Prunus mahaleb), Filz-Steinmispel (Cotoneaster tomentosus), Gewöhnlicher Felsenbirne (Amelanchier ovalis), Wolligem Schneeball (Viburnum lantana) und anderen.

In Mitteleuropa kommt sie vor allem im Hopfenbuchen-Mannaeschenwald vor. Die bestandsbildenden Baumarten sind neben den namensgebenden Hopfenbuche und Manna-Esche die Flaum-Eiche. Sie wächst an den Standorten am Südabfall der Alpen auf skelettreichen, humusarmen Rendzinen über Kalkgestein. Er bildet meist einen lockeren Buschwald. Die Krautschicht ist oft artenreich. Sie sind der Lebensraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten.

In Gärten und Parks lassen sich Verbindung mit passenden Bäumen, Sträuchern (siehe oben) und Stauden aus dem Lebensbereich „trockene Freifläche“ und „Felssteppe“ schöne Pflanzungen mit mediterranem Charakter gestalten. Sie ist eine Wirtspflanze für weiße Trüffel.

Die Hopfenbuche leidet nur sehr selten unter Krankheiten oder Schädlingen. Das Holz ist sehr hart und lässt sich gut drechseln, fräsen und bohren. Es hat einen überaus hohen Abnutzungswiderstand. Es sind keine Sorten bekannt oder im Handel.

LiteraturWikipedia

Baumschule Ebben

EISELT, M.G. und SCHRÖDER, R. (1977): Laubgehölze. Verlag J. Neumann-Neudamm (Melsungen, Basel, Wien), 671 S.

ROLOFF, A. (HRSG.) (2021): Trockenstress bei Bäumen, Ursachen – Strategien – Praxis. Quelle & Meyer (Wiebelsheim), 288 Seiten

SCHÖNFELD, P., BÖLL, S. und KÖRBER, K. (2014): Forschungsprojekt Stadtgrün 2021. Neue Bäume braucht das Land. Merkblatt Falzflyer 4. Auflage 2023, 4 S.

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