
Schuppiger Sägeblättling
Der pensionierte Phytopathologe Dr. Thomas Cech (ehemals tätig am Bundesforschungszentrum für Wald in Wien) stellt uns in Steckbriefen wichtige Baumpilze vor, dieses Mal den Schuppigen Sägeblättling – Neolentinus lepideus (Lentinus lepideus).
von Dr. Thomas Cech erschienen am 19.01.2026Die Fruchtkörper des schuppigen Sägeblättlings findet man in Nadel- und Mischwäldern sowie an urbanen Standorten. Typisch sind sonnige, temperierte und trockene Lagen, wo die auffällige Pilzart auf trockenen Stümpfen verschiedener Nadelhölzer, vor allem aber auf Kiefern oder Lärchen vorkommt. Noch häufiger kann man den Sägeblättling an Orten, wo bearbeitetes Holz gelagert wird, finden. Infolge hoher Unempfindlichkeit gegen teerhaltige Imprägnierungsmittel besiedelt diese Pilzart auch Eisenbahnschwellen aus Kiefernholz, wo sie vor allem auf aufgelassenen Bahnstrecken erscheint. Darüberhinaus ist Neolentinus lepideus auch in Gebäuden auf verbautem Kiefernholz anzutreffen.
Die einjährigen Fruchtkörper wachsen einzeln oder in Gruppen meist in sehr heißen und trockenen Sommerperioden. Die Oberfläche der aus Hut und Stiel bestehenden Fruchtkörper ist weiß oder gelblich weiß. Die Hüte sind anfangs konvex, später flach und auffallend zäh und erreichen 30 bis 100 (160) mm im Durchmesser. Das Fleisch ist weiß. Die Hutoberseite ist von dunkelbraunen rauen Schuppen bedeckt, die konzentrisch angeordnet und zur Mitte hin dichter gruppiert sind.
Der 30 bis 70 (100) mm lange und bis einige Zentimeter dicke Stiel ist von der selben Farbe wie der Hut und weist unter dem flüchtigen Ring gelbe, gegen die Basis zu mehr braune oder rötliche Schuppen auf. Der Stiel ist im Substrat mit einem wurzelartigen Fortsatz eingesenkt. Die fertile Unterseite ist lamellig. Die breiten Lamellen sind anfangs weiß, später gelblich und laufen am Stiel herab, die Lamellenschneiden sind rau gekerbt oder gesägt und in jungem Zustand treten oft Exsudat-Tropfen aus. Das Sporenpulver ist weiß. Unter Lichtmangel (zum Beispiel auf Bauholz in Bergwerken) werden große, geweihartige sterile Strukturen gebildet.
Der Geruch ist süßlich (Anis), der Geschmack ist mild. Obwohl manchmal als essbar bezeichnet, sind die Fruchtkörper von geringem kulinarischen Wert. Darüberhinaus besteht das hohe Risiko einer Kontamination mit Holzschutzmitteln, wenn zum Verzehr gesammelte Fruchtkörper von verarbeitetem Holz stammen. Die Art wurde sogar als Indikator verwendet, um die Qualität von Holzimprägnierungen zu beurteilen. In Asien wird diese Art für medizinische Zwecke genutzt. Studien haben eine cholesterinsenkende Wirkung ergeben.
Verwechslungsgefahr
Der Schuppige Sägeblättling ist durch die gelblich-weißen zähen Fruchtkörper an trockenem Holz eine recht charakteristische Art. Allenfalls sind Verwechslungen mit anderen Sägeblättlingen oder dem Schuppigen Porling möglich.
Schadwirkung im Baum
Neolentinus lepideus infiziert durch Sporen, die auf rindenfreiem Holz keimen und eine rasch fortschreitende Braunfäule mit typisch würfelförmigem Bruchmuster verursachen. Vor allem auf trockenen Standorten ist er ein effizienter initialer Zersetzer von unberindetem Holz, der damit Nischen für weitere saprophytische Organismen schafft. Verbautes Holz wird durch die Fäule geschädigt.
Herkunft und Verbreitung
Neolentinus lepideus ist vermutlich kosmopolitisch verbreitet. Er tritt vorwiegend in gemäßigten Breiten sowohl auf der Nord- wie der Südhalbkugel auf. Neuere phylogenetische Studien lassen eine ursprüngliche Entwicklung der Art in Asien vermuten.
Maßnahmen
Vorbeugende Maßnahmen sind nicht notwendig, meist auch nicht behandelnde Maßnahmen. Eine chemische Bekämpfung von im Freien verbautem Holz wäre möglich, doch kann diese Pilzart auch Holz nach mehrmaliger Behandlung abbauen.
Zusammen mit Prof. Dr. Ing. Libor Jankovský hat Dr. Thomas Cech im Verlag Eugen Ulmer ein Buch zu Baumpilzen veröffentlicht. Es stellt rund 180 holzbewohnende Pilzarten in Wort und Bild vor.











Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.