
Allenschutz und -entwicklung mit Perspektive
Die Alleen an Bundes- und Landstraßen sind Orte der Biodiversität, Klimafaktor und Zeugnisse des Kulturreichtums. Maßnahmen zum Schutz und Weiterentwicklung der Alleen können nur im Dialog und Kooperation mit realisiert werden. Das war Hintergrund für einen Parlamentarischen Abend Ende Januar in Berlin.
von Dr. Philipp Schönfeld erschienen am 26.02.2026
Der Parlamentarische Abend zum Thema „Deutsche Alleen – schützenswertes Natur- und Kulturgut“ am 28. Januar 2026 in Berlin hatte zum Zeil, eine Standortbestimmung zum Thema Alleenerhalt in Deutschland vorzunehmen. Die Parlamentsgruppe „Kulturgut Alleen“, die sich nach dem Zusammentritt des neuen Bundestags neu konstituiert hatte, ist dabei ein wichtiger Ansprechpartner im Parlament sowie Impuls- und Ideengeber. Sie besteht derzeit parteiübergreifend aus 15 Mitgliedern, die der Partei Bündnis 90/Die Grünen, CDU/CSU und Die Linke angehören.
Die Organisatoren des Abends waren die Parlamentsgruppe „Kulturgut Alleen“ und die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) unter Beteiligung des Fachverbands GaLaBau Berlin und Brandenburg, der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße sowie des Bunds deutscher Baumschulen.
Nach der Begrüßung hielt Prof. Dr. Jürgen Peters einen Kurzvortrag zum Thema „Alleen in Deutschland“. In den Jahren 2019 bis 2022 hatte er mit einer Förderung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt eine „Erfassung aller Alleen und Baumreihen in Deutschland“ durchgeführt. Er stellte die Verteilung der 19.864 km Alleen nach Bundesländern kurz dar. Bei den Baumarten dominieren derzeit Ahorn- und Lindenarten mit 52 % den Bestand. Aktuelle Problempunkte sind die ESAB/RSP-Richtlinien zum Baumabstand vom Fahrbahnrand und der in den Bundesländern unterschiedlich geregelte Schutzstatus von Alleen. Neue Impulse ergeben sich aus der EU-Wiederherstellungsverordnung sowie ein Alleenbericht in jeder Legislaturperiode analog zum Waldschadensbericht.
5 Mio. Euro für den Erhalt von Alleen
Hermann Färber präsentierte die Parlamentsgruppe „Kulturgut Alleen“, deren stellvertretender Vorsitzender er ist. Er wies daraufhin, dass es der Parlamentsgruppe wieder gelungen ist, im Haushalt des Bundesministeriums für Verkehr einen Haushaltstitel in Höhe von 5 Mio. € für die Förderung der Alleen zu verankern: 521-21 „Maßnahmen zum Alleenschutz und Entwicklung sowie Pflege und Unterhaltung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen an Bundesstraßen“. Die Haushaltsmittel in der vorangegangenen Legislaturperiode sind allerdings leider nur zum Teil abgerufen worden. Die Parlamentsgruppe würde sich wünschen, dass in dieser Legislaturperiode die Haushaltsmittel vollständig verbraucht werden.
Die Baumartenauswahl an den Alleen wird vielfältiger werden und folgt damit den Entwicklungen bei den Stadt- und Straßenbäumen. Angesichts der langen Kulturzeiten stellt das die Baumschulen in Bezug auf die Anbauplanung vor erhebliche Schwierigkeiten, wie Bernhard von Ehren, Präsidiumsmitglied im Bund deutscher Baumschulen, erläuterte.
Das Projekt „Deutsche Alleenstraße“ hat sich zu einer touristischen Erfolgsstory entwickelt. Dieter Hütte von der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße, ADAC Berlin-Brandenburg, möchte deshalb die Alleenstraße durch Nebenrouten erweitern. Schließlich sind es die Landschaftsgärtner, die die Alleebäume pflanzen. Für die Branche stellt sich hier das Problem des Fachkräftemangels wie Herr Oliver Hoch, Hauptgeschäftsführer Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Berlin und Brandenburg, erläuterte.
Flächenerwerb schwierig, Fachkräfteschulung notwendig
Nach den kurzen Statements entwickelte sich eine lebhafte Diskussion. Es wurde dabei deutlich, dass die ESAB/RSP-Richtlinien zum Baumabstand eines der wesentlichen Schwierigkeiten bei der Planung und Anlage von Alleen sind. Der notwendige Flächenerwerb ist organisatorisch als auch finanziell eine große Hürde. Einfacher ist es hingegen im nachgeordneten Netz an Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen. Zunehmend rücken auch Radwege in den Fokus für die Anlage von Alleen.
Neue Chancen zur Alleenpflanzung könnten sich aus der EU-Wiederherstellungsverordnung ergeben, sofern Alleepflanzungen als Wiederherstellungsmaßnahme zur Verbesserung des ökologischen Zustands von Lebensräumen oder zu dem Ziel der Pflanzung von 3 Mrd. Bäumen in der EU bis zum Jahr 2030 anerkannt werden. Eine bundeseinheitliche Definition von Alleen (Mindestlänge 50 oder 100 m?) und ihre Festsetzung als „Geschützte Landschaftsbestandteile“ nach §29 BNatSchG würde den Schutz bestehender als auch neu angelegter Alleen deutlich verbessern.
Notwendig sind aber auch die Schulung von Baumpflegern, die Verbesserung von Monitoring und Berichtswesen, die Entwicklung eines bundesweiten Alleenkatasters sowie die Identifikation geeigneter Pflanzstandorte.
Der Parlamentarische Abend wurde von den Teilnehmenden als informativ und von einer angenehmen Atmosphäre geprägt wahrgenommen.
Blick in die Zukunft
Demnächst wird das Kompetenzzentrum Straßenbäume und Alleen (kostba) die Veröffentlichung „Empfehlungsliste zur Auswahl klimaangepasster und naturverträglicher Gehölze als Straßenbegleitgrün in Brandenburg“ veröffentlichen. Diese Liste, die mit Planern, Behörden und Verbänden abgestimmt wurde, enthält Empfehlungen zur Baumartenwahl für Alleen. Die Liste umfasst sowohl heimische als auch fremdländische aber nicht invasive Baumarten mit Informationen zu Eigenschaften , Standortansprüchen und weiteren Hinweisen zur Verwendung.
Unter der Federführung von Jasmin Personn und Katharina Dujesiefken, beide Mitglieder im BUND Mecklenburg-Vorpommern, wird in der Arbeitsgruppe des SDW ein Eckpunktepapier zum Alleenschutz und -erhaltung erarbeitet werden.
Am 13. März 2025 konnte die sehr erfolgreiche Nationale Alleentagung in Berlin durchgeführt werden. Diese stand unter Schirmherrschaft der Parlamentsgruppe Kulturgut Alleen. Es besteht Konsens, dass im Jahr 2027 oder 2028 eine Folgeveranstaltung durchgeführt werden sollte.
Links
Prof. Dr. Jürgen Peters (Projektleitung), Luttmann, K.; Wilitzki, A.; Torkler F. (2022): Alleen und Baumreihen an Straßen und Wegen - Eine Anleitung zur Kartierung, zur Pflanzung und zum Schutz. (Osnabrück und Eberswalde): https://www.hnee.de/forschung/forschungsprojekte/alleen-als-schuetzenswerte-landschaftselemente
kostba Kompetenzzentrum Straßenbäume und Alleen (2026): „Empfehlungsliste zur Auswahl klimaangepasster und naturverträglicher Gehölze als Straßenbegleitgrün in Brandenburg“. https://www.lvga-bb.de/versuchswesen/kompetenzzentrum-fuer-strassenbaeume-und-alleen-kostba/ueberdaskompetenzzeenntrum
Dr. Philipp Schönfeld/Christoph Rullmann









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