
So düngen, dass es nützt
Peter Harder von Zulieferer Hermann Meyer stellt mit seinem Kollegen, Baumfachmann Tammo Beuster, Produkte für Baumschutz und -pflege vor. Dieses Mal geht es ums Düngen für einen guten Start der Bäume in die Vegetationszeit. Aber einfach mal Dünger ausbringen – das genügt nicht. Die Kollegen haben fachgerechte Empfehlungen.
von Hermann Meyer/Redaktion Quelle Hermann Meyer erschienen am 02.04.2026Peter: Moin Tammo, schön, dass du dir Zeit nimmst. Der Frühling steht vor der Tür – warum ist gerade jetzt ein guter Zeitpunkt, um Bäume in der Anwachsphase zu düngen?
Tammo: Moin Peter! Der Frühling ist entscheidend, weil die Bäume aus der Winterruhe kommen und wieder aktiv werden. Sie brauchen jetzt Nährstoffe für den Austrieb, die Blattbildung und die Wurzelaktivität. Gerade in Städten sind die Böden oft verdichtet und nährstoffarm – da ist eine gezielte Düngung besonders wichtig.
Peter: Was unterscheidet denn Stadtbäume von Bäumen im gewachsenen Boden in Bezug auf die Nährstoffversorgung?
Tammo: Stadtbäume sind in der Regel in Substrat gepflanzt. Die Haltefähigkeit für Wasser und Nährstoffe ist eher gering. Stadtbäume stehen oft in kleinen Baumscheiben, mit versiegelten Flächen drumherum. Da fehlen die normalen Wasser- und Nährstoffkreisläufe komplett. Außerdem haben sie Stress durch Hitze, Trockenheit und Schadstoffe – das erhöht ihren Nährstoffbedarf zusätzlich.
Peter: Klingt nach einer echten Herausforderung. Welche Nährstoffe sind im Frühjahr besonders wichtig?
Tammo: Stickstoff ist der wichtigste Treiber für das Wachstum im Frühjahr. Dazu kommen Phosphor für die Wurzelentwicklung und Kalium für die allgemeine Widerstandskraft. Auch Spurenelemente wie Magnesium oder Eisen können wichtig sein, gerade bei sichtbaren Mangelerscheinungen.
Peter: Gibt es typische Fehler, die bei der Düngung von Stadtbäumen gemacht werden?
Tammo: Oh ja, einige. Einer der häufigsten ist Überdüngung – das kann die Wurzeln schädigen und das Bodenleben aus dem Gleichgewicht bringen. Ein anderer Fehler ist, einfach oberflächlich zu düngen, obwohl die Nährstoffe gar nicht bis in den Wurzelraum gelangen. Gerade bei verdichteten Böden muss man überlegen, wie man die Nährstoffe effektiv einbringt.
Peter: Das heißt, die Art der Ausbringung spielt auch eine Rolle?
Tammo: Absolut. Je nach Standort arbeiten wir mit Langzeitdüngern, Flüssigdüngern oder auch mit Injektionsverfahren, bei denen die Nährstoffe direkt in den Boden eingebracht werden. Das ist besonders in stark verdichteten Bereichen sinnvoll.
Peter: Also brauche ich in jedem Fall eine Lanzeninjektion?
Tammo: Injektionen sehe ich eher im Bereich der Altbaumsanierung. Bei jüngeren Bäumen kann gut über den Gießrand oder den Bewässerungssack gedüngt werden. Ich empfehle hier den GROWtect PROFI BaumDünger Liquid + Algin. Der wird dem Gießwasser mit 1 bis 2 % beigemischt.
Peter: Und der hat dann alles, was der Baum braucht?
Tammo: Na klar. Die Hauptnährstoffe und auch die wichtigsten Spurenelemente sind im ausgewogenen Verhältnis vorhanden. Die Phytohormone aus dem enthaltenen Algenextrakt steigern die Stresstoleranz.
Peter: Dann habe ich damit ein Rundum-Sorglos-Paket? Einmal düngen und ich habe Ruhe?
Tammo: Auf gewachsenem Boden kommst du mit Glück mit zwei Düngergaben aus. Im Substrat eher nicht, da solltest du einen organischen granulierten Dünger wie den GROWtect OrganicVital benutzen.
Peter: Organische Dünger sind also eine gute Wahl?
Tammo: Organische Dünger sind grundsätzlich sehr gut, weil sie das Bodenleben fördern. Allerdings wirken sie langsamer. Für den schnellen Start im Frühjahr kombinieren wir oft organische Granulate mit der Beimischung flüssiger Komponenten beim Gießvorgang– so hat man sowohl eine Sofortwirkung als auch eine nachhaltige Versorgung.
Peter: Gibt es Anzeichen, an denen man erkennt, dass ein Stadtbaum dringend Nährstoffe braucht?
Tammo: Ja, zum Beispiel kleine oder hellgrüne Blätter, ein schwacher Austrieb oder vorzeitiger Blattfall. Auch abgestorbene Zweige können ein Hinweis sein. Aber wichtig ist: Nicht nur nach Gefühl handeln – eine Bodenanalyse gibt wirklich Sicherheit. Und vor allem muss natürlich auf eine gute Durchfeuchtung des Wurzelraums geachtet werden.
Peter: Gut, dafür gibt es ja ausreichend Sensorik oder zur Not einen Probenzieher. Aber: Wenn der Boden das Wasser gar nicht annehmen will, was empfiehlst du dann?
Tammo: Dann kommen sogenannte Wetting Agents zum Einsatz. Das sind Produkte, die dem Gießwasser beigemischt werden und die Oberflächenspannung lösen, zum Beispiel Kick® Konzentrat oder H2Pro®.
Peter: Das klingt nach einem guten Stichwort zum Abschluss: dein wichtigster Tipp für Kommunen oder Betriebe zum Start in die Düngesaison?
Tammo: Planung ist alles. Frühzeitig den Zustand der Bäume und Böden analysieren, dann gezielt düngen statt pauschal. Und immer im Hinterkopf behalten: Jeder Standort ist anders – Standardlösungen funktionieren bei Stadtbäumen meistens, wenn sie im Vorfeld richtig definiert sind. Bei meinen vorstehenden Empfehlungen ist das der Fall. Es gibt aber immer Ausnahmesituationen, die separat für sich betrachtet werden müssen. Wenn wir da Mails mit Fragen bekommen, arbeiten wir gerne eine Empfehlung aus.
Peter: Super, danke dir Tammo für die spannenden Einblicke!
Tammo: Sehr gern, Peter!
Infos unter www.meyer-shop.com










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