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Steckbrief Baumpilze

Fleischroter Gallertbecher

Der pensionierte Phytopathologe Dr. Thomas Cech (ehemals tätig am Bundesforschungszentrum für Wald in Wien) stellt uns in Steckbriefen wichtige Baumpilze vor, dieses Mal den Fleischroten Gallertbecher (Ascocoryne sarcoides). Dieser lebt saprophytisch und hat eine antagonistische Wirkung gegenüber anderen Fäuleerregern.

von Dr. Thomas Cech erschienen am 07.04.2026
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Die becherförmigen Fruchtkörper des fleischroten Gallertbechers erscheinen auf Buchen, aber auch auf verschiedenen anderen Laubgehölzen und gelegentlich auf Nadelholz. Sie sind in Laubwäldern, Mischwäldern, Nadelwäldern, aber auch an urbanen Standorten, zum Beispiel an Solitärbäumen, häufig zu finden. Ascocoryne sarcoides ist in Wäldern in Europa und Nordamerika weit verbreitet und kommt darüber hinaus in Mittelamerika, Südamerika, Asien und Australien vor.

Die Fruchtkörper sind einjährig und wachsen von Sommer bis Winter an faulem Holz von Ästen und Stämmen und manchmal sogar auf lebenden Stämmen. Die an der Oberfläche des Holzes auffälligen scheiben- oder becherförmigen geschlechtlichen Fruchtkörper (Apothezien) sind am Rand oft lappig. Die Fruchtkörper sind trocken zäh, in feuchtem Zustand gallertig, rosafarben bis rötlich oder rötlich violett bis bräunlich purpur. Die Oberseite mit der Fruchtschicht ist glatt, die Unterseite fein körnig. Die Fruchtkörper erreichen eine Größe von 3 bis 10 (15) mm.

Interessante Eigenschaften

Daneben bildet die Art auch ungeschlechtliche Fruchtkörper. Diese wurden früher als Coryne sarcoides bezeichnet und sind keulenförmig, löffel- oder zungenförmig bis hirnartig gewunden. Ihre Farbe ist blass rosa, ihre Größe wie die der geschlechtlichen Fruchtkörper. Das Fleisch ist rosafarben bis purpurn. Beide Fruchtkörperformen sind vom Geruch und Geschmack her unbedeutend. Das Sporenpulver ist weißlich, die Sporen sind farblos. Die Fruchtkörper sind nicht essbar. Die Art produziert ein Pigment (Benzochinon) mit antibiotischer Wirkung gegen bakterielle Krankheiten des Menschen. Außerdem bildet sie flüchtige Substanzen, die als biotische Alternative für die Treibstoffproduktion zur Diskussion stehen.

Verwechslungsgefahr

Im ungeschlechtlichen Stadium kann die Art mit einigen Tremella-Arten (Zitterpilze, Heterobasidiomycetidae) verwechselt werden. Von der Farbe her ähnlich ist auch der, allerdings nicht gallertige, Violette Schichtpilz (Chondrostereum purpureum). Sehr ähnlich ist auch der Großsporige Gallertbecher (Ascocoryne cylichnium), doch sind bei diesem die Fruchtkörper mehr scheibenförmig und eine ungeschlechtliche Form ist nicht vorhanden.

Schadwirkung im Baum

Die Infektion erfolgt durch Sporen. Die saprophytische Art besiedelt Äste und Stämme in frühen Zersetzungsstadien, bleibt aber bis in späte Stadien aktiv und verursacht im Holz eine Moderfäule. Darüber hinaus kann Ascocoryne sarcoides auch in lebenden Holzgeweben in einer nicht pathogenen Form überdauern, wobei aktives Wachstum als Fäuleerreger nach verschiedenen Verletzungen einsetzt. Vorbeugende und behandelnde Maßnahmen sind nicht notwendig.

Studien haben außerdem eine antagonistische Wirkung gegen verschiedene andere Erreger von Kernfäule ergeben. Insgesamt besteht die ökologische Funktion der Art in der Holzzersetzung sowie in einer antagonistischen Wirkung gegen andere Fäuleerreger.

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