
Vision trifft Realität
Der 1. Großbeerener Stadtgrüntag Anfang Dezember 2025 an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau und Arboristik (LVGA) spannte den Bogen von (Zukunfts-)Konzepten hin zu den praktischen Herausforderungen der Erhaltung des urbanen Grüns.
von Annaca Kröner, Maria Bach erschienen am 02.02.2026
Stadtgrün ist für die kommunale Klimaanpassung unverzichtbar“ – mit diesem gemeinsamen Statement eröffneten VertreterInnen des Ministeriums für Landwirtschaft, Wirtschaft und Infrastruktur des Landes Brandenburg den 1. Großbeerener Stadtgrüntag. Hier trafen sich Fachleute aus Wissenschaft, Praxis und Verwaltung, um über die Zukunft des urbanen Grüns zu diskutieren. Die Tagung gliederte sich in vier Teile; den Abschluss fand der Tag durch die Präsentation zweier Abschlussarbeiten von Studentinnen der TU und HU Berlin.
Den großen und internationalen Überblick über Stadtgrün zeigten, Prof. Dr. Lisa Diedrich (TU Berlin) und Prof. Dr. Manfred Köhler (HS Neubrandenburg). Diedrich sprach über die Rolle des Menschen im Stadtgrün mit Blick auf die Wirkung im und mit dem Stadtraum. Köhler zeigte Gebäudegrün gestern und heute und brachte einen Appell mit: Mehr Mut zum Experimentieren.
Daniela Corduan (TU Berlin) erläuterte die vielfältigen Einflüsse auf Mulden im Straßenraum. Mit der richtigen Pflanzauswahl lassen sich Pflegeaufwand und Wasserbedarf deutlich reduzieren. Aus dem Projekt KukPiK bestätigte David Zimmerling (LVGA) diese Erkenntnisse und stellte Zielsetzung sowie erste Ergebnisse der Versuchsflächen in Großbeeren, Berlin, Potsdam und der LAGA Beelitz vor.
Wissen vorhanden, Umsetzung nicht konsequent
Über die Umsetzung und Erhaltung von Projekten sprachen Claus Hermann (hochC) und Andreas Luczynksi. Während Hermann aufzeigte, dass seit längerer Zeit qualitativ hochwertige Projekte realisiert werden, sprach Andreas Luczynski aus dem Bezirksamt Berlin-Neukölln vielen Gärtnern aus der Seele. Er schilderte die alltäglichen Probleme der Erhaltungspflege. Häufig ende diese mit dem Auslaufen des Förderzeiträumen, wodurch die Bezirksämter vor kaum zu bewältigen Aufgaben stünden. In der anschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von Phillip Sattler (Stiftung Die grüne Stadt), waren sich alle Podiumsgäste einig: Es fehlt weniger an Wissen als an der konsequenten Umsetzung vorhandener Erkenntnisse.
Prof. Dr. Lisa Diedrich untermauerte diese Einschätzung mit internationalen Beispielen. Selbst unter schwierigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen, etwa in Buenos Aires, würden grüne Projekte erfolgreich realisiert. Gerade Krisenzeiten, so Dietrich, seien häufig Treiber für Innovation. Pilotprojekte spielten dabei eine entscheiden Rolle, um Öffentlichkeit und Politik für urbanes Grün zu sensibilisieren. Auch Claus Hermann hob hervor, wie wichtig es sei, politische Entscheidungsträger frühzeitig einzubinden. Und forderte eine stärkere Verzahnung von Planung und Pflege.
Zentrale Forderungen
Drei zentrale Forderungen formulierte Prof. Dr. Manfred Köhler: eine frühzeitige und verlässliche Instandhaltungsplanung, die deutliche Ausweitung von Dachbegrünungen sowie mehr Technologieoffenheit, insbesondere bei der Fassadenbegrünung. Philipp Sattler warnte davor, technologische Entwicklungen auszubremsen, und plädierte für eine selbstbewusste Positionierung grüner Technologien.
Mehr Planungssicherheit wünschen sich laut Andreas Luczynski auch die Bezirksämter. Diese Einschätzungen spiegelten sich auch in einer Umfrage unter den Teilnehmenden wider. Besonders häufig genannt wurden besser abgestimmte Förderinstrumente, mehr Unterstützung bei Öffentlichkeitsarbeit und Akzeptanzbildung sowie differenzierte Pflegekonzepte statt pauschaler Vorgaben. Darüber hinaus wünschten sich die Teilnehmer verlässliche Pflegebudgets über die Fertigstellung hinaus, mehr Austauschformate und Weiterbildungsangebote, etwa in Form von Praxisseminaren.
Zum Abschluss appellierten die Podiumsteilnehmenden an Engagement, Vernetzung und Zuversicht. In den Diskussionen wurde deutlich, dass das Stadtgrün in den deutschen Städten zwar auf einem hohen Niveau ist, dies jedoch oft als selbstverständlich wahrgenommen wird und die Leistungen in Planung und Pflege nicht ausreichend betont werden. Stadtgrün braucht starke Fürsprecher, denn: „Bäume können nicht demonstrieren, engagierte Menschen und Verbände schon.“ Terminhinweis: 10. September 2026 findet der nächste Stadtgrüntag statt. Anmeldung unter lvga-bb.de/stadtgrüntag
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